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Einsendeschluss: 31. August 2018

Schauspieler vom Neusiedler See

Michael Fuith © Doris SeebacherMichael Fuith © Doris Seebacher

Der St. Margarethener Schauspieler Michael Fuith kann mit seinen jungen 33 Jahren bereits auf eine beachtliche Schauspielkarriere zurückblicken. Über seine ersten „Fernsehshows" im Kinderzimmer, seinen erfolgreichen Film „Rammbock" und warum er sich wünscht, irgendwann einmal der „George Clooney vom Neusiedler See" zu werden, darüber spricht er im Interview mit der Kreativwirtschaft.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie bist Du zur Schauspielerei gekommen?
Michael Fuith: Die Schauspielerei habe ich mir nie ausgesucht, die war immer schon da. Bereits als Kind habe ich im Kinderzimmer mit meiner Schwester gemeinsam „Fernsehshow" und „TV-Serie" gespielt und mit der Videokamera Kurzfilme gedreht. Im Laufe der Zeit habe ich dann entdeckt, dass man das  auch als Beruf  machen kann.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie sah Deine schulische Laufbahn aus?
Michael Fuith: Ich ging aufs Gymnasium - dort bin ich aber in der 5. Klasse Länge mal Breite durchgefallen und hinausgeflogen - ich habe es dort gehasst. Schon damals habe ich von einer Kunstschule geträumt. Nach dem Gymnasium ging ich dann tatsächlich in die Wiener Kunstschule in der Lazarethgasse. Dort lernte ich zwei Jahre lang Malerei und Grafik-Design. Erst nach dem Zivildienst mit 19 traute ich mich über die Schauspielerei.

Kreativwirtschaft Burgenland: Und wie ging es dann weiter?
Michael Fuith: Die Schauspielschule dauerte drei Jahre. Parallel dazu haben wir dort Theater gespielt. Für mich war jedoch immer schon der Film die große Liebe. Ein guter Freund von mir, Peter Jaitz, lernte Regie auf der Filmakademie und wir waren immer zusammen. Die erste große  Hauptrolle bekam ich dann von Alexander Stecher in „Das große Glück sozusagen". Mein Kinodebut war „Kotsch", eine steirische Komödie.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie kann man sich ein Leben als Schauspieler im Burgenland vorstellen? Wirst Du von kreischenden Fans belagert?
Michael Fuith: (Lacht). Nein, noch nicht. Letztes Wochenende war ich in der Cselleymühle und dort bin ich von ein paar Leuten angesprochen worden, die mich aus „Rammbock"  kennen. In der Steiermark  kennen mich viele durch „Kotsch". Und auch auf  den Filmfestivals bin ich mittlerweile sehr bekannt. So war ich heuer beispielsweise bereits zum zweiten Mal in Saarbrücken beim Max-Ophüls-Festival. Dort wurde ich in die Galerie, wo große Portraits von allen Regisseuren und Schauspielern hängen, aufgenommen.  

Kreativwirtschaft Burgenland: Im Film „Rammbock" spielst Du die Hauptrolle. Wie kamst Du dazu?
Michael Fuith: Marvin Kren hat mich in „Das große Glück sozusagen" gesehen, für den ich den Darstellerpreis der „Freunde der Filmakademie" bekommen habe. Ein paar Monate später hat er mich angerufen, mir das Drehbuch gezeigt und mich gefragt, ob ich die Hauptrolle spielen möchte. Der Film - ein Zombiefilm -  handelt von einem Österreicher, der nach Berlin kommt und seine Ex-Geliebte besuchen will.

Kreativwirtschaft Burgenland: War der Film ein großer Erfolg?
Michael Fuith: Der Film lief im September in österreichischen Kinos und erst kürzlich war er auf  ZDF zu sehen. Im Fernsehen war er ein voller Erfolg. In sämtlichen Zeitungen bekamen wir durchgehend gute Kritiken und erhielten Preise auf allen Festivals, bei der Viennale sogar den „Wiener Filmpreis". Wie gut "Rammbock" in den österreichischen Kinos lief, weiß ich nicht. Ich glaube aber, nicht so gut, weil einfach das Geld für großartige Werbung gefehlt hat.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie kommst du generell zu deinen Rollen?
Michael Fuith: Ich gehe zu Castings, kenne schon viele Regisseure und  in der Branche kennt man mich von den Filmen, die ich schon gemacht habe. Durch den Film „Das große Glück sozusagen" bekam ich auch die Rolle in „Rammbock" und die Rolle im kürzlich abgedrehten Film.

Kreativwirtschaft Burgenland: Mit wem würdest Du am liebsten eine Liebeszene drehen?
Michael Fuith: Das stellt man sich so romantisch vor, aber es wird immer sehr technisch. So richtig kann ich die Frage nicht beantworten. Es gäbe viele, mit denen ich gerne arbeiten würde, einfach weil ich mich gut mit ihnen verstehe.

Kreativwirtschaft Burgenland: Gibt es im Burgenland Unterstützung  oder Förderungen für Schauspieler?
Michael Fuith: Für Film schon, aber für Schauspieler nicht. Ich habe mir meine Schauspielschule selber finanziert - mit Hilfe meiner Eltern, und nebenbei arbeite ich auch heute noch zuhause im Gasthaus mit.  

Kreativwirtschaft Burgenland: Gibt es im Burgenland überhaupt genug Freiraum für kreative Köpfe?
Michael Fuith: Kreative Köpfe können sich sowieso nicht nur auf ein Bundesland beschränken. Es gibt Leute, die sind im Burgenland bekannt, und außerhalb nicht. Dann gibt es welche, die kennt man im Ausland, aber im Burgenland nicht. Und dann gibt es welche, die überall bekannt sind. Man sollte sich als Künstler immer weiterbilden und versuchen, sich zu „vergrößern".

Kreativwirtschaft Burgenland: Bist du ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Burgenland?
Michael Fuith: Jetzt sicher noch nicht. Vielleicht irgendwann, das bringt der Beruf so mit sich. Kunst und Wirtschaft  müssen sich vertragen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wünscht Du dir Fans, die wie zu George Clooney zum Comer See zu Michael Fuith zum Neusiedler See pilgern?
Michael Fuith: (Lacht). Das hoffe ich, das wär natürlich toll. Beim Kellnern haben mich schon viele Leute angeredet und wollten Fotos von mir mit den Tellern in der Hand machen. Ich finde das sehr  nett. Aber da werden noch viele Jahre vergehen, bis die Fans wirklich nur wegen mir kommen.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist das Schöne an Deinem Job?
Michael Fuith: Das Schlüpfen in andere Rollen, das Imitieren anderer Leute, Szenen lebendig machen, die Detailarbeit im Film. Ich mag es, das Publikum zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Auch wenn das ein Klischee ist, aber es stimmt.

Kreativwirtschaft Burgenland: In welchem Film würdest Du gerne mitspielen?
Michael Fuith: In einem Film des iranischen Regisseurs Arash T. Riahi. Von ihm ist der großartige Film „Ein Augenblick Freiheit". Aber grundsätzlich würde ich in jedem Film mitspielen. Die Herausforderung kommt mit der Rolle. Da darf man nicht feige sein.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie viel verdienst Du momentan mit einem Film?
Michael Fuith: Das variiert. Die Gage richtet sich nach dem jeweiligen Budget, nach Gagenvereinbarungen, etc. Aber es wird immer mehr, ich arbeite daran.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie bereitest du dich auf deine Rollen vor?
Michael Fuith: Bei meiner letzten Rolle habe ich schon ein halbes Jahr davor begonnen, mich vorzubereiten. Der Text geht irgendwann automatisch in Fleisch und Blut über, ich lerne nie stur auswendig. Ich arbeite mehr an dem, was die Figur denkt. Das ist viel wichtiger als das, was die Figur tut und was sie sagt.

Kreativwirtschaft Burgenland: Was ist Dein nächstes Projekt?
Michael Fuith: Jetzt hab ich einmal Urlaub. Wenn alles gut geht, spiele ich 2011 in drei Komödien mit -  in einer Hauptrolle und in zwei Nebenrollen. Momentan bin ich zwar offiziell arbeitslos, aber ich helfe zuhause in unserer Gastwirtschaft mit oder zeichne Cartoons. Mit meinen Aktuellen, ich nenne sie ZIP-Cartoons, mache ich im Frühling wieder eine Ausstellung.

Kreativwirtschaft Burgenland: Wie war es, als Du Dich das erste Mal auf der Leinwand gesehen hast?
Michael Fuith: Das war arg, da bin ich richtig in den Sessel hineingerutscht. Dein Gesicht erscheint plötzlich so groß und die Stimme so fremd.

Kreativwirtschaft Burgenland: Gefällst Du Dir selbst?
Michael Fuith: Nein, aber ich habe mich schon daran gewöhnt und versuche, nicht darüber nachzudenken. Man sieht sich selbst sowieso immer anders. Wem ich gefalle, das  überlasse ich dem Publikum und dem Regisseur.

Das Interview führte die Journalistin Doris Seebacher (Foto unten). Das Interview kann auch als PDF heruntergeladen werden.

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 Doris Seebacher Doris Seebacher
Journalistin und Fotografin

http://www.seebacherdoris.at